Rheinische Post

EINE TOUR DURCH GLASGOWA MUSIKSZENE
18 February 2017
Von Christiane Bours

Rund 130 Konzerte pro Woche, legendäre Pubs und Konzerthallen und eine lange Liste an Bands und Künstlern – die größte schottische Stadt ist die heimliche Musikhauptstadt Europas. Jetzt kann man sich auf die Spur berühmter Bands begeben.

Es regnet in Strömen an diesem Freitagnachmittag mitten im Herzen Glasgows. Vorsichtig bahnen sich Passanten ihren Weg um die großen Pfützen herum, suchen Schutz unter Vordächern und Regenschirmen. Nur eine kleine Gruppe verteidigt stoisch ihren Platz auf dem Bürgersteig und lässt sich von Regen und kaltem Wind nicht vertreiben. Sie steht vor einem Gebäude, das im tiefgrauen Tageslicht aussieht wie ein Schwimmbad oder eine Lagerhalle aus den 50er oder 60er Jahren. Nur die Neonröhren und die Sterne auf der Fassade verraten, dass sich dahinter etwas ganz anderes verbirgt – der Barrowland Ballroom.

Der Name steht in der Musikszene für legendäre Konzerte, etwa von David Bowie, Oasis, The Clash, Thin Lizzy, PJ Harvey, The Verve oder den Simple Minds. Oasis und Metallica ließen verlauten, das Barrowland sei eine ihrer liebsten Konzerthallen der Welt. David Bowie hat sich angeblich einen der Sterne als Andenken in seine Pariser Wohnung mitgenommen.

Keine Frage, das Barrowland und ganz Glasgow sind ein Schwergewicht in der weltweiten Musikszene. Seit 2008 ist Glasgow sogar die einzige britische Stadt, die zur Unesco City of Music erklärt wurde. Zu Recht, wie Jonathan Trew betont: “Jede Woche gibt es rund 130 Konzerte in Glasgow, das Publikum und die Veranstaltungsorte sind berühmt für ihre Leidenschaft und ihre Atmosphäre.” Gemeinsam mit Fiona Shepherd und Alison Stroak hat Jonathan vor drei Jahren die Glasgow Music City Tours ins Leben gerufen, um die lange Musikgeschichte der Stadt auch Touristen näher zu bringen. Bei diesen Touren geht es durch den ältesten Teil Glasgows, die Merchant City, in der man alle paar Meter auf einen Pub oder eine Konzerthalle trifft, in der schon berühmte Künstler aus der Indie-, Rock oder Countryszene aufgetreten sind. Und zu jeder der Stationen haben die drei Musikjournalisten Anekdoten parat. Wie wichtig dabei das Barrowland ist, zeigt auch der in der Nähe liegende gleichnamige Park mit dem Barrowland Pathway. Dieser wurde von dem Künstler Jim Lambie entworfen und sieht aus wie eine lange Reihe Albumcover, auf denen die Namen von unzähligen Bands zu sehen sind, die im Barrowland aufgetreten sind.

Ein anderes Schmuckstück, das Jonathan, Alison und Fiona sehr am Herzen liegt, ist das Britannia Panopticon. Es ist die älteste Musikhalle der Welt und wurde 1857 eröffnet. Stan Laurel hatte dort seinen ersten Auftritt. Zu sehen ist die restaurierte Bühne von 1920 und zahlreiche Erinnerungsstücke aus mehr als 100 Jahren.

Eine traurige Geschichte verbirgt sich hinter der Clutha and Victoria Bar, deren Fassade von Künstlern wie Frank Zappa, Spike Milligan oder Stan Laurel geschmückt wird. Die Bar wurde 2015 nach umfangreichen Renovierungsarbeiten wieder eröffnet. Denn zwei Jahre zuvor war ein Hubschrauber abends während eines Konzertes auf das Gebäude gestürzt, zehn Menschen starben. Inzwischen treten dort wieder regelmäßig Bands auf.

Ebenfalls Teil der rund zweistündigen Tour sind das King Tut’s Wah Wah Hut, wo 1993 Oasis entdeckt wurden, das Apollo Theatre, in dem Queen einmal ein denkwürdiges Konzert gaben, oder die Glasgow School of Art, die schon Travis, Belle and Sebastian oder Teenage Fanclub inspirierte.